Boogieman und Comediennes

Buntes Programm bei gut besuchter Sommer-Schlossrevue im Freibad

(dor) Geradezu unverschämtes Glück hatten Besucher und Veranstalter der dritten Sommer-Schlossrevue im Freibad, die der Schlimmes verheißenden Wetterprognose für Freitagabend trotzten und einen tollen Abend mit wunderbarer Stimmung und erstaunlicherweise ohne einen einzigen Regentropfen erlebten. Zum dritten Mal fand das Spektakel im Umstädter Freibad mit Musik und Comedy in ganz besonderer Atmosphäre statt. Der Förderverein Schwimmbad bewirtete die mehr als hundert Gäste, servierte leckere, sommerliche Häppchen und kühle Getränke, um der drückenden Schwüle zu begegnen.


Die leider meist schwach beleuchtete Bühne war unter der Überdachung neben dem Büro des Schwimmmeisters aufgebaut, die Zuschauer saßen an Tischen im Freien vorm Kinderbecken. Trotz der angekündigten Gewitter waren mehr Gäste als in den beiden Jahren zuvor gekommen. Den ganzen Abend lang sahen sie immer wieder Blitze am Himmel zucken, zwischendurch frischte eine kalte Brise auf, doch das Wetter hielt.
Beim Einzug zu „Final countdown“ mit Paul Wucherpfennig und Ukulele, sommerlich-leger barfuß in Sandalen, weißen Jeans und schwarzem Jackett, zeigte sich schnell, hinter den angekündigten Überraschungsgästen im Programm verbarg sich eine neu formierte Jazzmusikgruppe, die mit „Over in the Glory Land“ unter Leitung von Florian Diehl gleich zeigte, was im weiteren Verlauf des Abends zu erwarten stand: „Jazz Youth“ mit sieben Mitgliedern, diversen Bläsern und einer Cajón, sollten insgesamt dreimal die Gelegenheit erhalten, einmal live vor großem Publikum aufzutreten. „Bis kurz vor der Jazz-Parade gab’s die noch gar nicht“, verriet Moderator Wucherpfennig super gut gelaunt, um keinen Scherz verlegen, vor allem stets offen dafür, Nachwuchsbands solche Gelegenheiten zu bieten. Wie bei jeder anderen Schlossrevue auch begrüßte der  Organisator und Moderator mit dem Song „Mir sinn do“ auf der Ukulele und begleitete mindestens ein Lied des Abends auf der Mundharmonika.
Als weitere Überraschung gelang der Auftritt von Heide Brüsewitz, „emigriert nach Langstadt“, die relativ spontan beschlossen hatte, die Zuschauer mit einem orientalischen Schleiertanz zu verzaubern. Drei charmante Ladies folgten im Hauptprogramm, auf die viele schon mit Spannung gewartet hatten. Die „Swinging Angels“ unternahmen eine musikalische Reise in die Ära der Dreißiger und Vierziger Jahre. Ganz im Stil der Andrew Sisters und beschwingter Glenn Miller-Rhythmen präsentierten sie mit jeweils  passender Choreografie anspruchsvolle Welthits wie „Chatttanooga Choo Choo“, „Rum and Coca Cola“ den „Boogie-Woogie Bugle Boy“ und den wohl bekanntesten, rauf und runter gesungenen Song der drei legendären Schwestern: „Bei mir bist du schön“.
Köstliche Ausschnitte aus ihrem Soloprogramm zeigte dann Frau Antje, die sofort das Publikum für sich zu begeistern wusste. Ob mit Songs aus dem Musical Grease, wo sie ein Duett ganz allein sang („typische Doppelbelastung einer Frau“) oder frechen, eigenen Texten zu bekannten Melodien, sie legte enorme Fähigkeiten an den Tag, hatte ein breites Repertoire im Gepäck und überzeugte schnell alle von ihren vielfältigen Talenten als Schauspielerin, Sängerin und Songwriterin, ausgestattet mit den skurrilsten Accessoires und Verkleidungen. Die „kulturelle Elite Groß-Umstadts“, die ihre Show hier mit erleben durfte, war hingerissen davon, wie dieses Energiepaket voller Wortwitz, mit ausdrucksstarker Stimme und ihrer Ukulele Moderator Wucherpfennig Konkurrenz zu machen schien. Auf ihrer Reise von Frankreich über Italien an die Ostsee ging es nicht nur um das Alter und das Altern mit all den damit verbundenen Problemen, stets war Frau Antje empathisch um das Wohl ihrer Zuhörer besorgt. Das Publikum wurde zu einer Ode an Groß-Umstadt („Perle der Region, Hochburg der Kultur“) mitgerissen und hörte ein Liebeslied an die Puszta in Marika Rökk- und Ilse Werner-Gedächtnisperücke. Mit Wasser gurgelnd nahm Frau Antje dann den Mund etwas zu voll bei einer Nicki-Parodie, badete als Languste am liebsten in Knoblauch und ließ ihr ziemlich durchgeknalltes Programm mit einer krönenden Tanzeinlage zu Bee Gees „Night Fever“ enden. Der helle Wahnsinn – schrill und zum Brüllen komisch.
Das große Finale bestritten Groß-Umstadts Kult Rock´n´Roller „Jerry Ree Lewis and his Killers“ unter musikalischer Beteiligung von Paul Wucherpfennig mit seiner Mundharmonika. Nur schade, dass angesichts der späten Uhrzeit – nicht der lauten Töne wegen – viele Gäste bald das Weite suchten und kurz nach 23 Uhr sich die Reihen zusehends lichteten.
Als Hommage an den wohl wildesten Pianisten aller Zeiten Jerry Lee Lewis haben sich “Jerry Ree Lewis and the Killers” zusammen gefunden, um den Rock’n’Roll der 50er Jahre aufleben zu lassen. Mit den bekannten Klassikern „High school confidential“, „Great balls of fire“, „Whole lotta shakin’ goin’ on“ oder dem „Lewis Boogie“ ließen die Vier auch bei ihrem Schwimmbad-Auftritt nichts aus. Neben den Songs des „Killers“, wie Jerry Lee Lewis sich selbst nennt, war das mitreißende Programm gemischt mit anderen Rock ’n‘ Roll und Boogie Woogie-Titeln der 50er Jahre.
Auch die Show kam keinesfalls zu kurz. Rock’n’Roll im Power-Piano-Stil zeigte Rigk Sauer, der nach mehreren Anläufen sein Piano endlich zum Qualmen brachte und aus allen möglichen und unmöglichen Positionen heraus in die Tasten haute.  Die Zugaben „Shake, baby shake …“ frei nach Jerry Lee und „What did I say“ bildeten den absoluten Höhepunkt vor leider nur noch wenigen, umso begeisterteren Gästen. Wie gut, dass vorher die Meisten noch das hervorragende „Johnny B. Goode“ und vor allem „Sweet home Chicago“ erlebt hatten. Bei dieser Session nämlich mischte Paul Wucherpfennig musikalisch derart mit, dass die Schwimmbadbühne ordentlich „gerockt“ wurde.

Odenwälder Bote vom 29.07.16, Text und Bilder: Dorschel

Bildunterschriften:
Foto 1: Rigk Sauer „Jerry Ree Lewis“ am Piano rockte mit seinen „Killers“ die Bühne bei der Sommer-Schlossrevue im Freibad.    Bild und Text: Dorothee Dorschel

Foto 2: „Rum and Coca Cola“ – Ganz im Stil der berühmten Andrew Sisters präsentierten die Swinging Angels anspruchsvolle Welthits der Dreißiger und Vierziger Jahre, garniert mit den passenden Choreografien.   Bild und Text: Dorothee Dorschel