Jazz und noch viel mehr

Jazz Orchestra Erlenbach gastierte auf großer Stadthallenbühne

(dor) Dynamik und Lebensfreude, unbändiger Spaß an der Musik gepaart mit enormer Professionalität prägten das Konzert im Rahmen der Jazz-Lounge XXL. Schwungvoll und mit Stil präsentierte das Jazz Orchestra Erlenbach auf großer Bühne in der Stadthalle „Jazz & More“.

Nach dem großen Erfolg der Big-Band-Jazz-Lounge vor einem Jahr hatten das Stadtmarketing und Organisator Paul Wucherpfennig wieder eine Big Band eingeladen, deren Auftritt auf viele Liebhaber stieß. Markenzeichen des „Jazz Orchestra Erlenbach“ ist die intensive Zusammenarbeit mit Stars der internationalen Jazzszene, dazu ein ständig neues und abwechslungsreiches Programm. Neben klassischen Swing-Arrangements heizte das aktuelle Repertoire auch mit Pop-und Rocknummern im Swing-Gewand ordentlich ein.

Die Bigband um den musikalischen Leiter und Bandleader Stephan Schlett hat sich gerade vor allem dem Sound der Sechziger Jahre verschrieben. Unter dem Motto „The Main Event“ kamen allerdings bei weitem nicht nur Sinatra-Fans voll auf ihre Kosten. Dazu gab es interessante, witzige und gut gemachte Arrangements neuerer Hits zu genießen.
Mit etlichen Höhepunkten gespickt war das außergewöhnliche Programm, zu hören Leckerbissen von etlichen Größen der Musikgeschichte. Mit hochkarätigen Solisten und dem Gesangsduo Kerstin Olejak und Thorsten Keil   präsentierten die Erlenbacher neben klassischen Arrangements auch Soul und Funk vom Feinsten – ob Titel von Paul Ankas Erfolgsalbum „Rock Swings“, Michael Bublé, Charles Trenet, Lionel Richie oder Bill Withers.
Seit 28 Jahren gibt es das Jazz Orchestra Erlenbach, das unterhaltend und trotzdem sehr vielseitig sein kann, wie Stephan Schlett erzählte. „Musik mit gewissem Niveau und etwas lockerer“, genau das wolle man bieten, mit dem Anliegen, nicht so „bierernst“ zu sein. 20 Mitglieder hat die Bigband derzeit, die aus der städtischen Musikschule Erlenbach hervorgegangen ist.
Sängerin und Sänger brillierten solo und harmonierten auch im Duett. Viele lebendige, bewegende Songs gab es zu genießen. Ein fast blindes Verständnis herrschte zwischen ihnen und den Musikern. Professionell, schwungvoll, einfach hervorragend kamen sie alle zusammen im großen Bigband-Stil daher, sehr schnell und sehr flexibel bei jedem Tempo- und Stilwechsel. Auszumachen waren hier mal Anteile von Hiphop oder  Reggae, dort ein Mischmasch verschiedener Genres, Rocktitel im Swing-Gewand. Eine Aufforderung zum Mitmachen gab es vor „Mini the Moocher“, das durch die Blues Brothers 1979 ein Revival erlebt hat. Als die Stimmung gerade hoch gekocht war und das Publikum mitsang, klatschte, schnipste und swingte, da kam es mit Kerstin Olejak zu einem weiteren, atemberaubenden Höhepunkt mit Adeles „Skyfall“ in der Original-Orchestrierung.
„Wir sind dafür bekannt, ein bisschen andere Wege zu gehen, nicht nur auf Pfaden der Big Band.“ So lehnte sich die nächste Adaption an Earth, Wind & Fire an. Hervorragende Stimmung erzeugte „Got to get you into my life“, dem sich anderem auch schon die Beatles oder Blood, Sweat & Tears angenommen haben. Was aber haben Robbie Williams, Rod Stewart und Kevin Spacey gemeinsam? Sie alle (und noch mehr) haben Versionen der „Beyond the sea“-Originalfassung von 1959 gesungen, das hier entsprechend arrangiert geboten wurde.
Als Sänger entpuppte sich Drummer „Schmitti“ mit Ferrari-Rassel in der Hand, als er funkig „Just the two of us“ mit Olejak performte, was besonders ihr viel Spaß zu bereiten schien. Es folgten der grandios dargebrachte, von Sängerin Olejak geradezu zelebrierte „Mr. Bojangles“, hinter dem sich eine „verdammt traurige Geschichte“ verbirgt. Sie pfiff dazu wie dereinst Sammy Davis Jr. der die Nummer unsterblich gemacht hat. Eine wirklich tolle, authentische Darstellung der charismatischen Kerstin Olejak.  Einem ganz besonderen deutschen Künstler, Roger Cicero, widmete charmant Thorsten Keil  den nächsten großen Song. „Der ist für dich“, rief er, jener Titel nämlich, der nicht Politiker, nicht Hausmeister oder Sonstige meint, sondern  „Frauen“.
„Wir spielen gern unendlich viele Zugaben für Sie“, versprach am Ende der musikalische Leiter Schlett. Es habe sehr, sehr viel Spaß gemacht, hier, zum ersten Mal in Groß-Umstadt, zu spielen: „Wir kommen wieder!“
Als Zugabe war Frank und Nancy Sinatras „Something Stupid“ zunächst nicht zu erkennen mit dem rappenden, überraschenden Hardrockeinstieg, krachend laut, ein Auftakt mit „Wow-Effekt“. Und schließlich „Mack the knife“ ließ das Publikum hoch angetan nach vielen Standing Ovations den Heimweg antreten.

Bildunterschrift:

Ein großes Erlebnis war das Konzert des „Jazz Orchestra Erlenbach“ in der Stadthalle. Zur „Jazz-Lounge XXL“ war wieder eine Big-Band eingeladen, die zusammen mit dem Gesangsduo Kerstin Olejak und Thorsten Keil  nicht nur klassische Swing-Arrangements präsentierte, sondern auch Rock- und Popnummern, Soul und Funk in neuem Gewand.

Bild und Text: Dorschel