Höhepunkte am Samstag bei Klassik auf dem Marktplatz: Junge Kammeroper Köln

Einen großartigen Glanzpunkt setzte die Junge Kammeroper Köln beim Klassik Open-Air am Samstag, die bereits zum zweiten Mal in Groß-Umstadt gastierte. Die jungen Sänger fesselten die Zuschauer nicht nur mit ihren stimmlichen Qualitäten, sondern vor allem mit der temperamentvollen, lebendigen Darbietung.
Bild und Text: Dorsche!
(dor) Zum absoluten Höhepunkt des Klassik Open-Air am Samstag kam es, als sich die Stuhlreihen auf dem Marktplatz bereits wieder etwas gelichtet hatten. So verpassten jene, denen die kühlen Temperaturen offensichtlich zu sehr zugesetzt hatten, die hochkarätige Darbietung der Jungen Kammeroper Köln. Heiteres und Bekanntes aus Oper und Operette hatten die Veranstalter, das Kulturamt der Stadt Groß-Umstadt in Zusammenarbeit mit Dr. Paul Wucherpfennig, angekündigt. Nicht nur die stimmlichen Qualitäten der jungen Sänger und das technisch perfekte Spiel des Kammerquintetts bestehend aus drei Geigen, Klavier und Cello bewegten sich auf höchstem Niveau. Auch die pure Freude am Gesang, die Lust am Spiel auf der Bühne ließen schnell den Funken überspringen. Begeistert feierte das verbliebene Publikum die sympathischen jungen Sänger, die viel Esprit verströmten.
Bei zunächst angenehmen Temperaturen und bestens gelauntem, zahlreich erschienenem Publikum feierte der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete 14jährige Trompeter Simon Höfele aus Raibach seinen großen Auftritt. Mit sehr anspruchsvollen und schwierig zu spielenden Stücken zeigte er sein großes Können, besonders beim "Karneval in Venedig" mit verschiedensten Variationen. Eine knappe halbe Stunde später platzierten sich sechs Musiker aus Frankfurt, Darmstadt und Groß-Gerau auf der Bühne. Mit seinem Repertoire könnte das "Ensemble Savas" zwar mühelos einen ganzen Konzertabend allein bestreiten, so vielschichtig waren die Bearbeitungen aus Renaissance, Barock, Klassik, irischer Folklore und Flamenco. Schade des-halb, dass selbst bei schnelleren, lebhaften Weisen das Ensemble etwas steif wirkte. Waren es die schwierigen, höchste Ansprüche an die Konzentration stellenden Werke, dass die Musiker allesamt etwas zu ernst wirkten -trotz überaus exakten Spiels, großen Könnens auf den Instrumenten wollte hier der berühmte Funke nicht überspringen. Ganz anders bei "Piccolo", fünf Damen in Schwarz, ein "ausschließlich mit Frauenstimmen agierendes Acapella-Quintett": Medleys sowohl von Abba als auch Beatles in wunderschönen, teils auch witzigen Arrangements mit nahtlosen Übergängen stießen auf große Begeisterung. Die charmanten Damen brachten es sogar fertig, "Summertime" von George Gershwin nicht zu leiern. Eine musikalische Betrachtung wert war den Fünfen das Haar im Wandel der Zeit ("Ein graues Haar" von PUR) und auch mit dem Parkplatz-Mambo von Herbert Grönemeyer bewies man viel Humor und Selbstironie. Offensichtlich überfordert war das Publikum hingegen von der gewünschten rhythmischen Begleitung zu Queens "We will rock you". Und bevor "Piccolo" zu Ende geprickelt hatten, gab es zur guten Nacht auch noch die passenden "Tönchen" in Liedform, ein Medley traditioneller deutscher Schlaflieder.
Außer Rand und Band, beinahe schon mit einer karnevalistischen Einlage, zeigte sich die Tanzformation Kokopelli aus Groß-Zimmern, die seit mittlerweile zehn Jahren die Umstädter Open-Air-Abende immer wieder in originellen Kostümen und besonderen Choreografien bereichert. Die Gruppe mit einem Durchschnittsalter "um die 50 Jahre", hatte erst kürzlich bei einem Turnfest den ersten Platz belegt, wie Moderator Paul Wucherpfennig erklärte. Zu Caterina Valentes "O mein Papa" bewegten sich die Tänzerinnen (mit immerhin einem Mann) in äußerst farbenprächtigen Clownskostümen und aufwendig geschminkt auf und vor der Bühne. Seinen Stolz über den vollen Marktplatz brachte Wucherpfennig zum Ausdruck. An die 800 Leute hatten sich auf dem historischen Marktplatz eingefunden, trotz einiger Konkurrenz-Veranstaltungen in Groß-Zimmern, Bad König oder Darmstadt. Kurz nach zehn Uhr erst hieß es "Bühne frei" für das Kölner Ensemble. "Ich bin eine anständige Frau" sang aus Franz Lehars "Lustiger Witwe" die erfrischende Julika Birke, Klassik Open-Air-Besuchern vom letzten Jahr noch bestens bekannt, bevor "Im Feuerstrom der Reben" die vier Gesangssolisten die finale Arie aus der Fledermaus darboten. Sektkelche anstoßend, versprühten sie ansteckende Fröhlichkeit und entzündeten ein wahres musikalisches Feuerwerk. Natürlich gab es die bekanntesten und gefälligsten Melodien zu hören, das Standardrepertoire einer jeden Operngala. Beliebte Evergreens aus der "Entführung aus dem Serail", der "Zauberflöte" oder "La Boheme" und "Land des Lächelns" durften da nicht fehlen.
Eine Klasse für sich war der mexikanische Startenor Antonio Rivera, der sowohl mit "Dein ist mein ganzes Herz" als auch mit dem gängigen "Nessun Dorma" das Publikum tief beeindruckte.
Odenwälder Bote, 09.08.08
Seite zuletzt geändert am: 15.08.2008, 17:25 von Mark Prieur