Jazz: Sandra Beddegenoots fasziniert in Groß-Umstadt mit virtuoser Gesangskunst.
GROSS-UMSTADT. Ganz im Zeichen Ella Fitzgeralds stand am Sonntag die zweite Groß-Umstädter Jazz Lounge. Die junge Sängerin Sandra Beddegenoots gastierte mit ihrer Begleitgruppe, dem Big-Men-Jazz-Trio, in der Stadthalle und faszinierte ein großes Publikum mit virtuoser Gesangskunst.
Seit ihrer Kindheit ist Sandra Beddegenoots vom Gesang der "First Lady of Song" inspiriert worden, nun dienen deren Tondokumente der ausgebildeten Vokalistin als Vorbild. Der Jazz war zunächst eine rein instrumentale Musik, erst mit dem Aufkommen des Swing traten Vokalisten in den Vordergrund. Dazu gehörte Ella Fitzgerald (1917-1996), die mit ihrer Interpretation von Standards aus dem "Great American Songbook" Furore machte.
Erfreulicherweise machte nun Sandra Beddegenoots nicht andeutungsweise den Versuch einer Nachahmung der betörend schönen Stimme ihres Idols. In den Arrangements aus der Feder ihres Schlagzeugers bleibt dennoch viel vom unnachahmlichen Gefühl für Swing erhalten. Ein wesentliches Element ist der Scat-Gesang, eine Vokalimprovisation, über dessen Entstehung verschiedene Theorien vom Vergessen des Textes bis zur Nachahmung der Blasinstrumente existieren. Sandra Beddegenoots beherrscht diese Technik fabelhaft und beeindruckt damit beispielsweise in "A Night in Tunesia", wobei sie allerdings im Gegensatz zu Ella Fitzgerald distanziert bleibt und nicht deren allzeit fröhliches Temperament ausstrahlt.
Pianist Gabriel Bock unterstützt nachhaltig-einfühlsam, Kontrabassist Jörg Mühlhaus und Schlagzeuger Michael Großmann bilden ein solides dynamisches Fundament, aus dem sie gelegentlich ihre solistischen Fähigkeiten aufblitzen lassen. Das Konzert endet mit einer zweisprachigen Version von "Mack the Knife", mit der Ella Fitzgerald seinerzeit in Berlin 1960 ihren wohl bekanntesten Hit lancierte.
Darmstädter Echo
Hans-Dieter Vötter
12.2.2008
Seite zuletzt geändert am: 14.02.2008, 15:09 von Mark Prieur