Konzert: Helen Schneider zu Gast in Groß-Umstadt: Ein netter Abend, doch kein Ereignis von Erinnerungswert
GROSS-UMSTADT. „Like a Woman“ hat die Sängerin Helen Schneider ihr aktuelles Programm genannt. Im gut besuchten Saal der Stadthalle von Groß-Umstadt präsentierten sie und ihre Band am Samstag gut zwei Stunden ein umfangreiches, wenn auch nicht immer abwechslungsreiches Repertoire. Nach ihrem Erfolg im Musical „Sunset Boulevard“ und Ausflügen in die ernstere Musik besinnt Helen Schneider sich nun auf ihre musikalischen Wurzeln im Blues und Jazz.
Ihrer kraftvollen, teilweise rauen Stimme hört man bisweilen die Rockvergangenheit an. Ihre neue CD ist autobiografisch gefärbt, verrät sie zu Beginn, auch wenn es sich dabei nicht um Eigenkompositionen handelt. Die Zusammenstellung bekannter Klassiker aus Rock, Pop, Blues und Jazz begleiten sie bereits ihr Leben lang, wie sie sagt. Mit Aretha Franklins „A Natural Woman“ beginnt sie den Abend. Mit großer Geste trägt sie vor, ungeprüft glaubt man ihr, dass sie bereits in New York auftrat, auch wenn es „üble Spelunken“ waren, wie sie lachend erzählt. Professionell liefert sie eine exakte Show, was das Publikum mit viel Applaus – auch im Stehen – dankt. Helen Schneider trifft die Töne exakt, schöpft die Oktaven aus. Die Akustik dazu ist einwandfrei, Ton und Licht sind gut abgemischt.
Doch der Funke springt nicht recht über. Die Sängerin wirkt steril, mit kühler Distanz singt sie sich durch das Programm. Ihre Gesten wirken künstlich, zu groß für die Umstädter Stadthalle, und sie erweckt den Eindruck des Oberflächlichen. Die Leidenschaft fehlt. Das Programm ist inhaltlich abwechslungsreich, doch akustisch monoton, und man fragt sich unwillkürlich, ob die Welt wirklich auch noch auf Schneiders Interpretation von Stings „Mad About You“ oder Bob Dylans „Just Like A Woman“ gewartet hat. Schade, denn es gibt für Helen Schneider keinen Grund zum Verstecken, wie sie mit der eigenwilligen Interpretation eines Gedichts von Ann Saxton über das Grimmsche Märchen „Schneewittchen“ beweist. Hier zeigt sich das Potenzial der Sängerin, das leider meist ungenutzt bleibt.
Immerhin überzeugt bei „Bang The Drums Away“ von Amy Lewis der Gitarrist mit seinem Solo. Jazzig und zuweilen schrill sind die Töne von „Enough For Me“, der Komposition einer Freundin Schneiders aus New York. Doch von der amerikanischen Metropole nach Groß-Umstadt ist es nun einmal ein weiter Weg, und so muss die Sängerin auch erst einmal nach der richtigen Aussprache des Ortsnamens fragen. Das Versprechen, den nun ihr Leben lang nicht mehr zu vergessen, wirkt allerdings erneut recht aufgesetzt und übertrieben.
Es ist ein netter Abend mit Helen Schneider. Als besonderes Ereignis bleibt er jedoch nicht in Erinnerung.
Jenny Geyer
5.5.2008
Seite zuletzt geändert am: 05.05.2008, 13:12 von Mark Prieur