Facettenreiche Ausstellung von „Farbenmehr“
(neu) Zahlreiche Werke stellt die Künstlergruppe „FarbenMehr“ unter dem Motto „im dialog“ in der Umstädter Stadthalle aus. „Unterschiedliche Sichtweisen des Gegenübers“ fasste Stadträtin Renate Filip die Mottoschau in ihrer Begrüßung zusammen, während Dr. Paul Wucherpfennig in seiner Einführung darauf grundsätzlich einging - als Dialog des Künstlers mit der noch leeren Leinwand. Die Werke in unterschiedlichen Techniken veranschaulichen den Dialoggegenstand in je anderer W eise – einmal als Farbe, als Form, als Installation oder im abstrakten Sinn. Technik, Menschen, Natur, Entwicklung oder Umwelt stehen dabei im Mittelpunkt des Bildgeschehens.

Für Dr. Paul Wucherpfennig haben Bilder eine so starke Aussagekraft, dass die künstlerische Ausdrucksform als Kultfunktion ihn in seiner Einleitung zur Ausstellung „im dialog“ zur Frage verleiteten:“Ist es die Bannung des Unfassbaren, das Herantasten an das Unbegreifliche beziehungsweise der innere Dialog mit dem noch Unausgesprochenen, welcher Anlass und Anstoß zur künstlerischen Produktion gibt?“ Bilder sind für ihn eine Form des Dialogs, ganz im wörtlichen Sinn als Fließen von Sinn. Andernfalls lautet die Minimalaussage des Bildes „Geh weiter“. Nicht so bei den Werken der Gruppe FarbenMehr. „Die Künstlerinnen stehen im Dialog mit sich selbst, ein Zwiegespräch wohl verschiedener Bewusstheitsgrade, psychologisch lokalisierbar auf unterschiedlichen Bewusstheitsebenen. Eigentlich schyzophren … Aber genau so erfährt der Künstler beim Schaffensprozess viel über sich selbst“, so Wucherpfennig. Für ihn sei der Dialog ein Anstoß, Gefühle im Prozess des Dialogs zu intensivieren, das Denken und Handeln der Beteiligten zu beeinflussen oder auch die Bewusstwerdung der eigenen Erfahrungs- und Lebensgeschichte zu fördern.
Das schaffen dann auch die Bilder und Werke der insgesamt sieben Künstlerinnen von „FarbenMehr“. Ganz deutliche Entwicklungslinien zeigen die Bilder von Angela Schäfer, für die der Mensch und sein Ausdruck im Vordergrund ihres künstlerischen Schaffens steht. Mit Strichen und Linien zeigt sie dem Betrachter, wie daraus eine menschliche Gestalt, ein menschliches Gesicht wird. Nuria Uya Vicent-Höhne dagegen steht in wenigstens einem Werk „mit dem Ich und der Natur im Dialog. Bei mir gibt es keine feste Farbenauswahl – wie eben in der wechselhaften Natur. Auch nicht festgelegt ist der Dialog mit dem Betrachter, der ihn in offener Weise selbst gestalten kann“, so die Künstlerin, deren Cello-Bild den Dialog mit der Musik verdeutlicht.
Kräftige Farben bevorzugt Monika Schodlock in ihren künstlerischen Aussagen, die zum Teil im Rot- und Gelbton gehalten sind. „Das Thema der Ausstellung kam mir sehr zurecht. Ich habe meine Bilder bewusst mit vielen kräftigen Farben gestaltet, um das Foyer der Stadthalle mit mehr Lebensfreude und mehr Stimmung aufzupeppen“, erläutert sie die auffallende Buntheit ihrer Bilder und lässt dabei ihren Blick über die sonst monotone Foyerlandschaft schweifen. In der Form bevorzugt die Malerin menschliche Silhouetten als Signal der Kommunikation mit den Menschen.
Ganz auf Symbole und Zeichen setzt Gabriele Schlauersbach mit einem Bild voller Kreuze, Kreise und Dreiecke. „Oben im Bild werden die Zeichen in einem Quadrat, das für Stärke steht, vereint. Darunter das Kreuz als christliches Symbol und das Dreieck als Trinität. Der Kreis ist die Vollkommenheit“. Damit verweist sie über das Hier und Jetzt hinaus, ohne es zu übergehen.
Marlies Franz mag in ihren Bildern einen endlosen Dialog anzetteln, denn sie „sind ein Festhalten von Zeitgeschehen. Sie bieten keine Lösungen an. Meine Collagen sind ein Dialog, ein freier Fluss, um durch das Erzählende eine direkte Verbindung zum Betrachter herzustellen, um über die Dinge und Fragen des Menschseins mitzuteilen“. Und tatsächlich hat beispielsweise das aus Zeitungsausschnitten collagierte Bild mit dem überragenden Papst in der Mitte, den Menschen und alltäglichen Dingen drumherum etwas Erzählerisches. Wer sich die weiße Installation von Gerlinde Pohl betrachtet, benötigt Aufmerksamkeit, um das Werk von der weißen Wand zu unterscheiden. So wird ein Prozess der bewussten Wahrnehmung und der Verarbeitung im Kopf gestartet, der Voraussetzung für den Dialog ist.
Wie sich der Dialog mit dem Betrachter eröffnet, zeigt in konkreter Weise das Bild mit der Trompete von Elfriede Mock, die die Klänge nur so sichtbar herausschleudert:“Das ist typisch für Elfriede Mock. Ihre Bilder enthalten steht etwas Sprühendes, und oft wird etwas ins Licht gerückt“, so ein Paar vor den Bildern der Künstlerin, das schon mehr Werke von ihr gesehen haben muss.
Der Ausstellungstitel „im dialog“ ist aber noch anderweitig besetzt, denn zum Auftakt spielte das Duo „BBQ“ – nach dem Motto „art meets music“. Das Duo entfaltete sich später in der anschließenden Jazzlounge zum Burdette Becks Quartett und gab den Modern Funk-Jazz zum Besten.
Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Stadthalle zu besichtigen oder nach Vereinbarung mit der Stadt als Veranstalter: 0 60 78 – 781 -264
Foto und Text: A. Neubert
Seite zuletzt geändert am: 22.04.2008, 11:52 von Mark Prieur