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Leidenschaft für hüpfende Flöhe

Musikfestival - Vier Saiten verbinden: Ukulele-Spieler aus aller Welt treffen sich zu Workshops und Konzert in Groß-Umstadt

Beim Ukulele-Festival in Groß-Umstadt wurde musiziert und erzählt  hier von Ukulelezaza von den Bastardos Sympaticos.  
FOTO: DAGMAR WENDEL
 

GROSS-UMSTADT. Tim Sween-Vey macht es vor. Der große Mann aus den USA lässt seine Finger liebevoll über die Saiten des kleinen Instruments gleiten, entlockt ihm helle Begleitakkorde zu seinem Streifzug durch die Popmusikkultur der letzten Jahrzehnte. Ihm gegenüber lehnt eine Gemeinde von zwanzig bis dreißig Freunden des "hüpfenden Flohs", und im Hintergrund plätschert der Groß-Umstädter Marktbrunnen dazu. "Hüpfender Floh" ist die Übersetzung des hawaiischen Begriffs "Ukulele", der wohl das schnelle Gleiten der Finger über die Saiten beschreibt.
Das Instrument sieht aus wie eine zu heiß gewaschene Gitarre und hat nur vier Saiten. Manche mögen einst mit einer Plastikversion vom Rummelplatz gekommen sein, und mit solchen Erinnerungen fällt es vielleicht nicht leicht, die Ukulele ernst zu nehmen. Genau das aber tun die Musiker aus aller Welt, die zum "Uke-Fest" gekommen sind. Denn das Instrument wurde ursprünglich von dem portugiesischen Einwanderer Joäo Fernandes 1879 von Madeira nach Hawaii gebracht. Dort bekam es den heutigen Namen Ukulele. Der Weg nach Europa führte über Nordamerika.
In Deutschland ist die Ukulele seit Ende der neunziger Jahre populär. Und es ist bereits die zweite Auflage dieses internationalen Treffens in Groß-Umstadt. Rigk Sauer aus dem Groß-Umstädter Stadtteil Heubach hat es initiiert. Sauer ist gelernter Maschinenbauingenieur, dazu leidenschaftlicher Musiker. Er war beruflich viel zwischen den Kontinenten unterwegs. Und da ein Klavier als musikalischer Begleiter schlecht zu den vielen Reisen passt, kam er auf die Ukulele. Mittlerweile ist er mit seiner Firma "RiSa Music" ein international bekannter Instrumentenkonstrukteur, auf sein Konto gehen inzwischen auch verschiedene elektrifizierte Versionen des "hüpfenden Flohs".
Originelle Wege zum Instrument
So wie Sauer wissen bei diesem Treffen am Samstag viele Teilnehmer originelle Geschichten über ihren Weg zur Ululele zu erzählen. Tim Sweeney beispielsweise ist von Haus aus eigentlich Gitarrist, er wollte für dieses Instrument Saiten kaufen - und kam mit der "kleinen" Gitarre nach Hause. Schnell zu lernen, einfach zu spielen, und es geht fast alles damit. Das könnte man meinen, wenn man sich Sauers Acht-Minuten-Grandkurs anschaut und Paul Wucherpfennig zuhört, wie er sein "Was war de Woi ohne Keenischin..." auf einer Ukulele begleitet. Auch die Groß-Umstädter Kulturstadträtin Renate Filip wird sich nun mit dem Instrument befassen, denn sie hat zum Geburtstag einen entsprechenden Gutschein bekommen.
Auf dem Festival wird deutlich, dass die vier Ukulele-Saiten völlig ausreichen für sehr virtuoses Musizieren - solo oder auch im Ensemble. Deutlich wird auch, dass sich um die Ukulele eine vernetzte Szene gebildet hat, in der es nicht nur um Musik geht, sondern auch um Mode und Tanz. Das demonstrieren Hula Aranui um Angelika Damerau aus Speyer. Der Name dieser Gruppe steht für eine Wasserstraße, die an ihren Ufern Menschen verbinden kann. Im Tanz, der in einem Workshop einstudiert und am Samstag zur Eröffnung des Konzerts aufgeführt wird, geht es tatsächlich fast pantomimisch um Wellen, um Fische - und um Essen.
In einem anderen Workshop werden komplizierte technische Probleme um die Frage erörtert: Wie nimmt man eine Ukulele auf? Und wieder eine Tür weiter geben die Uke-Guras Professor Peter und Doctor Dick Tipps zum professionellen Auftritt mit dem "hüpfenden Floh". Hin und wieder tritt auch Daniel Adler aus Göttingen mit der Ukulele auf. "Ich habe als Siebenjähriger so ein Instrument bekommen. Das ist längst kaputt, aber dann habe ich wieder damit angefangen. Ich bin Musiklehrer und setze die Ukulele auch im Unterricht ein", sagt er.
Ein Tipp der Uke-Guras ist: "Spiele nie deine schwierigsten Stücke, denn dann bist du nervös und nicht gut." Gut, dass sich im Konzert am Samstag niemand daran hält. So kommen die gut 300 Besucher etwa in den Genuss der Künste des Duos "Coconami" aus Japan oder von Gaetano Cappa aus Italien. Der hat eine ganze Begleitband in der elektronischen Beatbox mitgebracht. Und die "Hot Potato Syncopators" aus Groß-Britannien zeigen schließlich, was man immer schon gemutmaßt hat: dass sich Ukulelen auch hervorragend als Instramente für Comedy eignen. Die vielleicht schönste Geschichte über den Beginn einer großen Liebe zum kleinen Instrument erzählt am Rande Hans Thüring. "Ich habe vor Jahren eine Ukulele im Internet bestellt, weil noch 14 Mark zur Versandkostenfreiheit fehlten." Mittlerweile ist der gelernte Informatiker nicht nur selbst Instrumentenhändler, sondern auch Webmaster von www.ukulelen-club.de - dem Internet-Auftritt eines deutschen Vereins, der inzwischen fast 1000 Mitglieder hat.

VON KLAUS HOLDEFEHR, DARMSTÄDTER ECHO vom 25.08.08

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Seite zuletzt geändert am: 25.08.2008, 22:59 von Mark Prieur

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