zurück

Songs gingen unter die Haut

Musical-Factory bezauberte mit kleinen Ausschnitten aus der großen Musicalwelt

Vereinte Power auf der Bühne: Mit ihrer Interpretation von "Les Miserables" sorgten die Darsteller für wahre Beifallsstürme. Bild und Text: Dorschel
 

(dor) "Can you feel the love tonight" - aus vollen Kehlen tönte der durch den "König der Löwen" bekannt gewordene Elton John-.Song weit über den Marktplatz. Die jungen Mitglieder der Musical Factory verzauberten anlässlich des zehnjährigen Jubiläums hunderte von Zuschauern mit einer Zeitreise durch die Geschieht« des Broadway-Musicals. Dabei überzeugten sowohl Sänger und Darsteller als auch das Orchester, beide großartige Ensembles unter der bewährten Leitung von Ralph Scheiner.
Gespickt mit wunderschönen Melodien und leidenschaftlichen Darbietungen in grandioser Choreografie, bot das zweieinhalbstündige Programm gänzlich ohne Pause, das Beste aus 50 Jahren Broadwaygeschichte. Wohl machte der immer wieder kehrende Regen einen Strich durch die Rechnung und erschwerte allen Beteiligten den Sonntagabend, letzter Teil des Klassik Open-Air auf dem Marktplatz, doch ungebrochen blieben das Interesse und die Hingabe der Zuschauer. Die gängigsten und mitreißendsten Melodien aus My Fair Lady und Anatevka sowie Jesus Christ Superstar waren Erfolgsgaranten zum Auftakt des gut zusammengestellten Bühnenprogramms, machte sich hier doch die Routine bemerkbar. Sicher gelangen die Auftritte der Solisten, besonders Roland Reichert, Iris Wilk, Melanie Wolf, Wolfgang Mutz und gerade Marcel Lutz als stimmgewaltiger Tevje. Er faszinierte das Publikum auch noch später als Bischof in "Die Räuber".
"Ganz kleine Ausschnitte aus der großen Welt des Musicals" hatte Ralph Scheiner versprochen. Selbst für ihn sei zum Beispiel Les Miserables mit dem Musicalsound der 80er Jahre immer wieder aufregend. Das Stück mit dem schwierigen Thema Gerechtigkeit kam mit vereinter Power auf der Bühne sehr gut rüber, das Publikum zollte beim sehenswerten Schlussbild großen Applaus. Obwohl manche Sänger mit den Tücken der Technik zu kämpfen hatten und ebenso mit den speziellen Gegebenheiten eines Open-Air-Konzertes, machten gerade kleine Unzulänglichkeiten die Aufführung sympathisch. Mit ganzem Herzen, das war den Akteuren und nicht zuletzt ihrem Chef anzumerken, steht man hinter dem Projekt. Die Lust am Singen, Spielen, Verkleiden steht im Vordergrund und deshalb war die Qualität des Gezeigten um so sehens- und vor allem hörenswerter.
Besonders beeindruckten die wunderbaren Arrangements mit sorgfaltig zusammengestellten Stimmen auf hohem Niveau. In Aladdin vereinte sich überzeugend ein wunderschön anzusehendes Pärchen (Benjamin Ganz/Laura Zulauf) in einem wahr werdenden Traum mit unter die Haut gehendem Song. Ebenso eine in dieser Form noch
nie gesehene Anfangsszene von Aida mit temperamentvoller Musik: Dieses erste Bild standen alle im Bademantel tapfer durch, bevor die Kostüme wieder klassisch wurden. Sehr selbstbewusst präsentierte sich Katrin Muntermann als völlig moderne Aida, ein berechnendes Biest, eitel, sexy, in "Stoffen, die mir schmeicheln".
Weil man auch einmal ein Musical selbst schreiben wollte, ist nach den Worten Ralph Scheiners "Die Räuber" frei nach Friedrich Schiller entstanden, die kommende Eigenproduktion, die erstmals im April nächsten Jahres zur Aufführung gebracht wird. Bernd Waldmann aus Groß-Umstadt ist für den Text zuständig, während Bela Fischer (Wien) die Musik beisteuerte. Erste Ausschnitte der noch ungewohnten Melodien wurden am Sonntag erfolgreich vorgestellt.
Neben der allein schon großen Leistung, das Orchester zu leiten, gleichzeitig den Chor zu führen und die Solisteneinsätze zu begleiten, mutete sich Scheiner auch die Aufgabe des Moderators zu, der ausführlich, gut gelaunt und humorvoll Einführungen zu den Stücken und einen Überblick über das jeweilige Musicaljahrzehnt gab.
Zu Recht stolz konnte Ralph Scheiner auf den großartigen Pianisten Patrick Pietschmann sein und den erst 14jährigen Schlagzeuger Benedikt Vogel, der kurzfristig eingesprungen war und nach nur drei Tagen Vorbereitung eine Glanzleistung bot. Schließlich gab es für alle lang anhaltenden und anerkennenden Applaus.

Odenwälder Bote 15.10.08

zurück

Seite zuletzt geändert am: 18.08.2008, 09:32 von Mark Prieur

Sponsoren

Stadt Groß-Umstadt Heiko Voglerselbermacher - werkstatt - kreatives gestaltenmenglerkarnCAD-ServiceCenterIhr Banner?U.Prieur, VIDEO-TRANSFER