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Aale beißen Venus

„Schlossrevue“ entwickelt sich zum Kleinkunst-Eldorado

(neu) Die Schlossrevue gedeiht zum Umstädter Wohnzimmer der regionalen Kleinkunst. Ausgesuchte Gruppen liefern ein kurzweiliges Unterhaltungsniveau ab, das oft vor der eigentlichen Bühnenshow startet. So durfte das Publikum an der ersten Schlossrevue 2008 den vertrauten verbalen Austausch zwischen zwei Gruppen über den Bühnenrand hinweg ruhig mithören – als witzige Warmlaufphase zur eigentlichen Darbietung. An diesem Abend präsentierten das Duo Uli& Janie, die Offenbacher Band „Um elf beißen die Aale“ und „Venus“ aus Rödermark ein buntes Programm aus Songs, Balladen, Pop, Jazz, Chansons und A-capella. Die Versatzstücke der leichten Muse wurden aber gekonnt eigenwillig interpretiert.

 


Die Unplugged-Gruppe „Venus“ aus Rödermark setzte
das Schlusslicht im Schlossrevue-Programm,
zählte aber mit ihrem A-capella-Gesang zum Feinsten des Abends.
Bild und Text: Andreas Neubert


Den Bonus des Heimvorteils an diesem Abend benötigten Uli&Janie nie. Die beiden Künstler von der regional und darüber hinaus bekannten Gruppe „Jigger Jam“ kredenzten Songs und poppige Balladen in feiner Abstimmung. Gitarrist Ulric Worschy begleitete in hintergründiger Manier die Sängerin Janie Dixon, die im kräftigen Ton das Publikum mit schönen Balladen der poppigen Art verwöhnte.

Nicht wegen der zu frühen Uhrzeit an diesem Abend, sondern wegen des seltsamen Namens hätte man beim zweiten Auftritt leicht irritiert sein können. Die Offenbacher Gruppe plakatiert sich selbstbewusst mit dem Bandnamen „Um elf beißen die Aale“. Unter Anglerfreunden ist bekannt, dass Aale spät beißen. Aber um elf? Steckt dahinter gar wohl der Hinweis auf das unkonventionelle Programm aus Pop, Jazz und Chansons. Die Zuhörer zermarterten sich eher nicht den Kopf über den bemerkens-werten Namen (dahinter sich auch eine Comedy oder ein Kabarett hätte verbergen können), sondern genossen ein außergewöhnliches Musikprogramm, das in der Stimmungslage von ausgelassen bis melancholisch-atmosphärisch auch die Stadt Offenbach gesanglich-instrumental zu Gehör brachte. Die „Aale“ begeisterten mit anspruchsvollen Songtexten vor allem aus der PC-Tastatur von Frontfrau Stephanie Köhler, die sie stimmlich-rhythmisch vollendet ins Publikum schickte. Ihr Gesang wurde instrumental geadelt von Eric Holzschuh am E-Piano und an der E-Gitarre und von Lutz Jahnke am Schlagzeug. Den Bass bediente kein Geringerer als Ex-Umstädter Klaus Dengler in seiner unnachahmlich professionellen Art, die viel melodisches Feingefühl ans Ohr legte.

Dann aber bissen die Aale die Folgegruppe „Venus“. In einem Dialog noch während der Aufbauarbeiten zwischen Bühne und Zuschauerraum, wo es sich die Aale zwischenzeitlich gemütlich gemacht haben zum Hörgenuss des „Venus“-Programms, gab es einen witzigen Schlagabtausch über den Kinderwunsch unter und zwischen Männern. Das fröhliche Albern zeigte dem Publikum die Vertrautheit unter den regionalen Bands und brachte lockere Vorstimmung in den Rittersaal. Als Unplugged-Formation coverte das reine Männer-Quintett aus Mimo, Marcus, Matthias, Francisco und Matthias an diesem Abend Songs von  Robbie Willams, den Beatles oder Sting.

Dabei zeigte sich die Coverband von ihrer experimentierfreudigen Seite, arrangierte Vorlagen zielsicher nach eigenem Geschmack als A-capella-Version oder bestückte sie teilweise mit akustischen Instrumenten. Ein wenig sitzt allen Gruppenmitgliedern der Schalk im Nacken, denn aus den gelungenen Mischungen aus Pop-, Rock-, Blues-, Soul-, Folk-, Country-, Reggae- und ähnlichen Sounds der fünfziger Jahre bis heute lugte hörbar frech der Spott hervor. Daher sind die „Venus“-Musiker ausgezeichnete Ohrwurm-Explorer. Sie zeigten nicht nur unüberhörbar, wie viel Creativität in Ohrwürmern noch investiert werden kann, sondern können sich auch den Verdienst auf die Bandfahne schreiben, derlei Interpretationsfreiräume überhaupt entdeckt zu haben. Das wusste auch das Publikum mit viel Beifall zu schätzen.

Als Nachfolgeveranstaltung der Kleinkunst im Kuhstall des Gruberhofs steht die Schlossrevue im Rittersaal des Pfälzer Schlosses dieser in Erfolgssachen in nichts nach. Das geglückte Konzept aus der Ideenkammer von Paul Wucherpfennig ist stimmig und kommt beim auch weiter angereisten Publikum sehr gut an. Noch einen Tag vor der letzten Veranstaltung signalisierte eine Sorgenfalte Vorverkaufszahlen unter der Erwartung, die dann an der Abendkasse vollends erfüllt wurde. „Wir sind eben auf rechtzeitige Veröffentlichung von Ankündigungen in der Presse angewiesen“, erklärte Dr. Wucherpfennig, auch wenn Kenner wissen, dass an der Umstädter Schlossrevue stets ausgesuchte Akteure aller Coleur auftreten und ihr Bestes geben.

Die nächste Schlossrevue findet statt am 25. Januar, ab 20.00 Uhr, mit „Die 3 Frisöre“, „Küchengeplänkel“ und „Bazement Pilots“ wobei sich der Programmbogen von „Liedern aus dem haarigen Leben“  über Kabarett bis Chamber Rock spannt. Weitere Termin zur Schlossrevue im Rittersaal des Pfälzer Schlosses: 15. Februar, 29. Februar und 14.Maärz 2008.

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Seite zuletzt geändert am: 10.05.2008, 11:09 von Mark Prieur

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