Johannismarkt: Tausende Besucher beim „kleinen Winzerfest“ – Portugiesen und Deutsche feiern gemeinsam
GROSS-UMSTADT. Wie immer springt die Ampel auf rot. Sinn hat das im Moment kaum, weil die Georg-August-Zinn- und die Carlo-Mierendorff-Straße in der Umstädter Innenstadt zu temporären Fußgängerzonen erklärt worden sind. Tatsächlich tummeln sich dort an diesem Samstagnachmittag viele Fußgänger – weil nicht nur der Sonntag verkaufsoffen ist, sondern der Umstädter Einzelhandel auch mit einem „langen Samstag“ aufwartet. Hinzu kommen Johannismarkt und Johannisfest, die mehrere tausend Besucher anziehen.
Der Johannismarkt ist einer von vier Märkten, die der Gewerbeverein übers Jahr veranstaltet. Und an einem Nachmittag wie diesem, sommerlich warm und trocken, lockt so etwas natürlich zum Bummeln. Als Publikumsmagnet erweist sich die neue Showbühne in der Carlo-Mierendorff-Straße, wo unter anderem die Band „Keller“ mit der souligen Nina Scherer ihre Heimspiel-Show präsentiert.
Der Markt zur Sommersonnenwende geht auf alte Traditionen zurück, wie Altbürgermeister Wilfried Köbler einigen Neubürgern am Nachmittag auf dem Marktplatz erklärt, das Fest war willkommener Anlass für den Ortsgewerbeverein, diese Tradition wiederzubeleben.
Das Fest ist auch Verbindung zwischen den Portugiesen, die sich zahlreich in Groß-Umstadt niedergelassen haben, und den deutschen Mitbürgern, nicht mehr wegzudenken aus dem Festzyklus der Stadt und oft, auch an diesem Tag wieder, als eine Art „kleines Winzerfest“ bezeichnet, weil ebenso ausgelassen, aber doch etwas überschaubarer.
Am frühen Abend starten der Vorsitzender des Ortsgewerbevereins Helmut Kroll, Bürgermeister Joachim Ruppert, die Vorsitzende der portugiesischen Abteilung des Verschwisterungskomitees Clarinda Machado und Kreisbeigeordnete Anna Schneider in Vertretung für Landrat Alfred Jakoubek einen Rundgang über den Markt, der auf der Marktplatzbühne endet.
Jetzt wäre eigentlich die Zeit für großes Getrommel, doch es erscheint nur eine Rumpfformation der „Roten Teufel“. Es sei immerhin schon Ferienzeit, heißt es, und ein Teil der portugiesischen Trommler schon nach Portugal abgereist. So gibt die Folkloregruppe „Rancho Folklorico“ auf der Bühne den farbenfrohen Startschuss zum Fest, das Machado zuvor in ihrem portugiesisch akzentuierten Deutsch eröffnet hat. Kroll hat die gelungene Verbindung von Fest und Markt hervorgehoben, Ruppert mit einigen portugiesischen Sätzen geglänzt, die im Sonderapplaus eingebracht haben.
Inzwischen ist es ziemlich voll auf dem Marktplatz, wo sich der Akzent damit deutlich von Markt auf Fest verschiebt und der weitere Verlauf des Abends von der südländisch angehauchten Popmusik der Band „Os Atrevidos“ begleitet wird. Schließlich, nach Einbruch der Dunkelheit, flackert auf dem Marktplatz ganz romantisch ein Johannisfeuer, wie es früher, als das Fest noch abseits des Stadtkerns in einem Steinbruch gefeiert wurde, auch gebrannt hat. Hier ist es sozusagen „domestiziert“ in einer Stahlwanne, und die Feuerwehr hat ein Auge drauf.
Die warme Nacht, das Feuer und die Musik animieren zum Feiern. Am Sonntag geht es gut gelaunt weiter. Wieder feiern Tausende in der Stadtmitte – und ungeachtet der Ergebnisse bei der Fußball-Europameisterschaft verstehen sich Deutsche und Portugiesen wie immer prächtig.
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Klaus Holdefehr
23.6.2008
Seite zuletzt geändert am: 30.06.2008, 10:48 von Mark Prieur