Beeindruckende Stimme, starke Ausstrahlung

Sydney Ellis faszinierte mit ihren „Midnight Preachers“ in der Stadthalle

(dor) Pure Lebensfreude strahlte Sydney Ellis bei ihrem Auftritt in der Stadthalle aus. Gemeinsam mit ihrer Band „Midnight Preachers“ gastierte sie im Rahmen der Jazz Lounge-Reihe, wo sie sowohl mit beeindruckender Stimme als auch mit Charisma und Herzlichkeit glänzte. Big City Blues & Jazzmusik nannte sich in der Ankündigung das, was während der nächsten gut zwei Stunden erklang.

Mit schier unfassbarer Energie, einer großartigen, sehr wandlungsfähigen Stimme mit unverwechselbaren Blues-Eigenschaften und ihrer Fähigkeit, mit großer Lockerheit eine intensive Nähe herzustellen, verzauberte die Amerikanerin das zahlreich erschienene Umstädter Publikum. Einen solchen Auftritt mit zu erleben, war schon etwas ganz Besonderes. Die dargebotene Musik vom Feinsten, natürlich und gerade im harmonischen Zusammenspiel und Wechsel mit den durchweg hochkarätigen, souverän aufspielenden Instrumentalisten.

Kaum zu glauben, dass diese zierliche, fast zart anmutende und doch so kraftvolle, unglaubliche Energie versprühende Person 73 Jahre alt ist, fünffache Mutter und bereits siebenfache Großmutter und ihre Gesangskarriere erst mit 44 Jahren startete. Lächelnd, strahlend kam sie daher und verzauberte alle mit feinstem musikalischem Gespür – einschließlich ihrer hervorragenden Begleiter an Drums, E-Bass, Keyboards und Saxophon, unter denen Ehemann Doc Ellis am Bass agierte und die sich alle wie blind vertrauten, und das mit offensichtlicher Begeisterung und starkem Zusammenhalt, tief verwurzelt in ihrer Musik. Sydney Ellis selbst bezeichnet ihren Gesang, ihre Kunst, als ihr „kulturelles Erbe“ oder „Afroamerikanische Folk Music“, singt nicht nur dabei, haucht, flüstert und schreit, spielt und flirtet mit dem Publikum, dem E-Piano und vor allem mit dem grandiosen Saxophon.

Diese ganz eigene Mixtur aus Blues, Soul und Jazz war in jeweils individueller, genialer Interpretation innerhalb eines geradezu allumfassenden Repertoires zu hören und zu genießen, ob bei Covers bekannter und auch weniger geläufiger Songs oder den selbstgeschriebenen „Originals“. Darunter „An Old Joy“, Travelin‘ Shoes“ oder der Hinhörer „Was it a Whisper?“, Werke, die auch auf allen ihrer sechs CDs zu finden sind.

Das großartige „Trouble in Mind“ von 1926, welches sie in jedem ihrer Konzerte singt, kam sehr gut an, ebenso wie „Baby please don’t go“ oder das legendäre „Fever“ als Zugabe, alles jedoch in komplett eigener Version und mit neuer Faszination.

Zarte Momente, in denen man eine Stecknadel hätte fallen hören können, wechselten mit rasanten, fast atemberaubenden Nummern ab, so das man gar nicht wusste, welcher Stimmung nun der Vorzug zu geben sei. Die gefühlvolle Mischung und ganze Bandbreite machte es schließlich aus, der weite Bogen, den diese sensationelle Künstlerin sympathisch und einfühlsam spann, um an ihrer Freude und Strahlkraft teilhaben zu lassen. Bewegt und inspiriert verließ man schließlich nach dem ganz allein von Sydney Ellis gesungenen „Amazing Grace“ den kleinen Stadhallensaal.

Dorothee Dorschel