Ein Gefühl von Sommerkarneval bei der Jazzparade in Groß-Umstadt

GROSS-UMSTADT – War das schon immer so? Blaulicht vorneweg? Oder war da nicht immer der Blick frei auf „de Paul“ mit seiner Steel Guitar und die Kerb Dixie Stompers hintendran? „De Paul“ das ist Paul Wucherpfennig, der (Mit)-Erfinder dieser Jazzparade. „Es ist wieder toll“, sagt er, „es ist jedes Jahr so toll, und es ist seit 15 Jahren so toll.“

Die Grundidee ist einfach und kostengünstig, wird vom Groß-Umstädter Stadtmarketing, diversen Gastronomen und einigen Sponsoren unterstützt: Es werden ein gutes Dutzend Gruppen engagiert, die ziehen durch die Innenstadt, was auch diesmal wieder tausende von Besuchern angelockt hat, und postieren sich dann auf Plätzen, in Biergärten und Kneipen, wo die Party weitergeht.

Die Stilrichtungen: von Dixie über Rock’n’Roll und Blues und Rock und Samba, Hauptsache leicht verträglich und mitreißend. Mit dabei auch einige Tanzgruppen und Cheerleaders und Oldies, die mit krächzendem Gehupe grüßen.

Mit dabei auch, bei vielen Besuchern, ein Glas Wein, denn schließlich findet das ja alles auf der Odenwälder Weininsel statt. Das mit dem Weinglas gilt auch für Lothar Oberle aus Dieburg. „Aber diesmal hat uns die Musik nach Umstadt gelockt“, sagt der Pädagoge, der selbst Musik macht. „Es gibt viele Gründe, die nach Umstadt locken, aber vor allem Musik und Wein.“

Der Kerb Dixie Stompers, Jerry „Ree“ Lewis und die Rock’n’Roll-Paare sind inzwischen weitergezogen, von der Georg-August-Zinn- in die Obere Marktstraße abgebogen, um sich als erste auf dem Marktplatz zu postieren, wo sich nach und nach alle Gruppen sammeln.

„Beat it“ heißt es für die Hausband des Tonart-Studios aus Heubach. Es ist eine Art rhythmischer Musikpädagogik, bei der auf alles geklopft wird was irgendwie „Bumm“ macht. „Because the Night belongs to Lovers“, verkündet „Mrs. Bates“ mit ihren „Rockin‘ Chairs“.

Am Straßenrand steht Claudia Senfleben, Betreiberin des Kiosks im Schaafheimer Freibad. Sie hat einen grellroten Hut auf dem Kopf, ihre Freundin auch. „Die tragen wir immer zur Jazzparade“, verrät sie. „Wir kommen jedes Jahr, die Stimmung ist einfach toll.“

Überhaupt: die Hüte. Helle Strohhüte sind das Zeichen der Zeit. Aber auch ganz ausgefallene Unikate, zum Beispiel auf dem Kopf von Monika Achtmann. Die wähnt sich zwar derart behütet und mit Sonnenbrille Inkognito, wird aber dennoch erkannt.

Zum Jazzparade gehört seit einigen Jahren vorab eine Hutparade. Achtmann war mit dabei. 25 bis 30 Hüte seien diesmal da zu sehen gewesen, berichtet sie, „und ein Labrador, der hatte auch einen Hut auf. Nur die Männer haben sich nicht auf den roten Teppich getraut.“

Ziemlich verrückt kommt „Erdgeschoss“ daher, ein Trupp von versierten Straßenmusikern, die sich auf Lousiana-Blues und Zydeco verstehen. „The Bendits“ sind ein Guitar-and-Harp-Blues-Duo, das eine ganz ungewöhnliche Version von „Sympathy for the Devil“ abliefert. So geht das rund zwei Stunden.

Das ist auch Musik für die Generation der SPD-Kommunalpolitiker, die als kleine Gruppe den Umzug flankieren. Zu ihnen zählt Alois Macht. „Ja, einfach gute Musik“, sagt er, „und Spaß, und hinterher werden wir wohl auch noch die eine und andere Kneipe besuchen.“

Echo Online / Lokales / Darmstadt-Dieburg / Groß-Umstadt / Otzberg