Kontrastreiche Advents-Soiree

Von deutschen Liedern über Bossa Nova bis zu Musical und Operette

Bunt und abwechslungsreich war die zweite Soiree in diesem Jahr. Das musikalische Spektrum im Pfälzer Schloss reichte von Umstadt über Rio nach New York. „Aber nicht rein weihnachtlich“, wie Dr. Paul Wucherpfennig den Gästen zur Begrüßung sagte. Im ansprechenden Programm sollten neue deutsche Lieder, Bossa Nova sowie Musical- und Operettenmelodien folgen.

Eine besonders vielfältige und ungewöhnliche Mischung erwartete die Musikliebhaber an diesem ersten Adventssonntag. Die Nachwuchskünstlerinnen Sinem Aytyac (Flügel und Gesang) und Katharina Kraft (Violine) präsentierten selbst geschriebene Lieder zum Thema „Beziehungen“. „Versuchte Liebe“, hieß da ein Titel, „Nie wiedersehen“ ein anderer oder auch „Verzeih ihnen“. Dabei sah das Publikum, welches die Förderung junger Talente allgemein sehr begrüßt, eine deutliche Nervosität gern nach und auch darüber hinweg, dass manches beim Auftritt der beiden jungen Frauen nicht ganz klappte. Dem Nachwuchs eine Bühne zu bieten, der erst noch Erfahrung sammeln muss, ist ein erklärtes Ziel der Programmmacher. Fast überwältigend offen sang Aytac über den Bruch in ihrem noch jungen Leben, darüber, was es bedeutet, zu schweigen und nicht miteinander zu reden und über Beziehungen, die nie aufgebaut wurden. Tiefste Einblicke in eine sensible Seele wurden da gewährt und hervorragende Fertigkeiten an Klavier und Geige offenbart. Die Gäste durften nicht nur daran schließlich teilhaben, sondern wurden noch weiter mitgenommen, zum Mitsingen nämlich aufgefordert. Viel warmen Applaus gab es für die beiden Nachwuchskünstlerinnen aus Umstadt und Schaafheim.

Der war auch dem Duo Aupperle meets Kessler im zweiten, betont jazzigen Teil des Abends sicher: Zum Einstieg mit „Take Five“ wirbelte Christoph Aupperle nur so über sein Vibraphon und entlockte Julian Keßler seiner Gitarre die vielfältigsten Klänge. Das hervorragend eingespielte Team hatte für „two to one“ Filmmusik, Weihnachtliches und Klassiker aus Samba und Bossa Nova mitgebracht. Mal äußerst gefühlvoll mit leisen Tönen, mal lebhaft-temperamentvoll in beinahe schwindelerregendem Tempo. Neu arrangierte Jazzstandards trafen auf exzellent und mitreißend interpretierte, brasilianische Klassiker. Zwei Musiker, ein Sound – mit vielen Erklärungen versahen die beiden Künstler angenehm moderierend ihren Auftritt, der die Besucher am Ende begeisterten Beifall spenden ließ. Dieser schloss einige Gitarrenwechsel ein sowie den Einsatz diverser Perkussionsinstrumente, den weiten Bogen von spanischem Cha-Cha-Cha über ein grooviges „Sittin on the dock of the bay“, einer etwas anderen Spielart von „Winter Wonderland“ bis zur „Route 66“ als Jazzblues („keine harten Töne und Rhythmen bei der Soiree) und mit Mundharmonika-Einsatz von Paul Wucherpfennig.

Um Licht in diese dunkle Jahreszeit zu bringen und auch ein bisschen Leichtigkeit, nicht nur mit Kerzen, sondern diversen Himmelserscheinungen, Monden und anderem zu spielen, hatte die in Groß-Umstadt bekannte wie beliebte Sopranistin Deborah Cole einige der wunderschönsten und bekanntesten, von fast allen großen und berühmten Interpreten gesungenen Standards mitgebracht, darunter das farbenfrohe, aber auch ein wenig traurige „Autumn Leaves“, eine besondere Interpretation von „Somewhere over the rainbow“ oder auch „Fly me to the moon“. Unter der grandiosen Begleitung von Karl Nagel am Flügel, dem Cole völlig zu Recht auch hervorragende solistische Einlagen gewährte, gelang es der amerikanischen Sopranistin schnell, das Publikum in den Bann zu ziehen. Vor allem mit „Gold von den Sternen“ aus dem Musical „Mozart“, wo es um Loslassenkönnen ging und um seine eigenen Wege finden lassen, berührte sie ausdrucksstark. Mit eingestreuten Lesungen aus Gedichten und besinnlichen Texten von Anselm Grün bis zu Bettina von Arnim gab es Denkanstöße. Neben klassischen Mozartstücken und einem wunderbaren Operettentitel aus Lehars „Paganini“ wusste Deborah Cole dann schließlich mit klassischen deutschen und englischsprachigen Weihnachtsliedern zu fesseln, in welche die Gäste zu gern einstimmten.

Odenwälder Bote vom 13.1219
Dorothee Dorschel