Start in die Kleinkunst-Saison

13. Auflage der Schloss-Revue bot erneut beste Unterhaltung

Seit 20 Jahren stehen Connie Webs und Claudia Brendler als Künstlerinnen-Duo „Queens of Spleens“ auf der Bühne. Und fast ebenso lange sind sie schon auf Abschiedstournee. Irgendwie finden die komödiantischen Musikerinnen – oder musikalischen Komödiantinnen – einfach kein Ende. Zum Glück für alle Freunde des Versponnenen, Verrückten und Launigen, das sich mit Wortwitz und musikalischer Gewandtheit zu einem seltenen Vergnügen verbindet.

Bei der ersten Schloss-Revue des Jahres diskutierten die Queens of Spleens darüber, welches der beste zweite Song für ihren Auftritt wäre. Der erste war noch einfach. Inspiriert von der Weininsel Groß-Umstadt und vom Eröffnungssong „Ohne Woi wär´n mer net do“, den Paul Wucherpfennig in typisch elegant-legerer Manier intoniert hatte, gaben sich auch Connie und Claudia als Weinkennerinnen aus. Vom „Rüdesheimer Frauenverächter“ über den „Miltenberger Mümmelmann“ bis zum intellektuellen Wein mit linksradikalem Abgang hatten die Queens schon so einiges durchprobiert.
Den Wein nahmen die Künstlerinnen denn auch als Einstieg für ihr Musik-Comedy-Programm. Doch was kommt danach? Eine leise Herz-Schmerz-Ballade oder doch lieber ein schriller Death-Metal-Song? Jazz böte sich an, denn da könne man getrost den Text vergessen, ohne, dass es jemandem auffällt. „Das Publikum braucht Ansprache, sonst verlieren wir es“, fand Claudia Brendler und stimmte das Stück „Albatros“ von Fleetwood Mac an. Dabei verlor aber nur Bühnenkollegin Connie die Nerven.

Auf der Suche nach dem idealen zweiten Song hatten die Queens letztlich etwa ein halbes Dutzend Lieder gespielt. Denn das muss doch mindestens drin sein bei einem Abschiedskonzert. Wie die Queens of Spleens war auch Tine Lott schon mehrfach zu Gast bei der Groß-Umstädter Schloss Revue. Die stimmgewaltige Sängerin mit der unzähmbaren Attitüde begleitete ihre Melange aus eigenen und gecoverten Songs selbst an der Gitarre und bewies eindrucksvoll, dass es für einen grandiosen Auftritt nicht mehr braucht, als eine leidenschaftliche Musikerin, ihr Instrument und einen humorvoll-klugen Blick auf die Widrigkeiten des Lebens.
Aus einer großen Enttäuschung schuf Tine Lott den Song „Das Paradies hat geschlossen“. Wobei „Paradies“ der Name einer Bar ist, in die sie als Minderjährige nicht hineindurfte. Und als sie dann endlich 18 war, hatte eben jenes Paradies für immer geschlossen. Später wurde es im Leben der Künstlerin offenbar ziemlich turbulent, glaubt man der Geschichte, die sie zu dem Song „Das alles wär´ nie passiert ohne Prosecco“ inspirierte. Dazu gehörte auch ein Spanienurlaub mit der Freundin, den Tine Lott mit dem Titel „Porque te vas“ der Sängerin Jeanette musikalisch zusammenfasste.

Den Leonhard-Cohen-Song „Lover come back to me“ nahm Paul Wucherpfennig als Aufforderung zu Tine Lott auf die Bühne zu kommen. Natürlich mit einer Flasche Wein, denn „Ohne Woi wär´n mer net do“. Das Lied aus der Feder des kreativen Allrounders zog sich wie ein roter Faden durch den Abend.
Mit der Band „Los Manolos“ stand Paul Wucherpfennig noch einmal gemeinsam auf der Bühne, intonierte mit den Musikern und den Gästen, von denen inzwischen nur noch wenige auf ihren Plätzen saßen, Songs wie „Fly me to he moon“. Die 13. Auflage der Schloss-Revue, versprach mit Musik, Unterhaltung und Comedy auf hohem Niveau abermals einen vielversprechenden Start in die Kleinkunstsaison.

Text und Bilder: Melanie Schweinfurth

Fotos
Schloss-Revue
Powerfrau Tine Lott eröffnete die erste Schloss-Revue des Jahres.
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Die „Queens of Spleens“ gastierten schon mehrfach in Groß-Umstadt.
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Mit der Band „Los Manolos“ trat auch Paul Wucherpfennig auf die Kleinkunst-Bühne.