Training für die Lachmuskeln

Wieder viel Abwechslung mit Comedy und Musik bei der Schlossrevue

(dor) In Umstadt sind sie bereits bekannt von einigen Freiluftveranstaltungen in der historischen Altstadt, wo sie ein meist buntes Treiben am verschiedenen Plätzen musikalisch begleiten. Beim Frühlings- oder Ostermarkt etwa hat man das fröhliche „Trio Julietta“ schon des Öfteren genießen können, bei der jüngsten Schlossrevue in der Stadthalle nun wieder: mit mitreißender Geige und dem geradezu winzigen Saxofon von Julia Ballin, die hörbar sogar ihre Steppschuhe mitgebracht hatte, mit einfühlsamen Gitarren- und Akkordeonklängen, welches Deff Ballin als seine „Herz-Lungen-Maschine“ bezeichnet, sowie der variablen Stimme von Annie Williams alias Anette Wilhelm.
Die sympathische Gruppe spielt und tritt auf aus vollstem Herzen und musikalisch erfahren, mit der angekündigten „Weltmusik“ aus verschiedensten Ländern, den Bogen weit gespannt von Swing bis Irish, mit Fiddle und Stepptanz und im weitesten Sinne mit Folklore, vielfältig und reich ausgelegt.

War es nun dem nur wenige Tage zurückliegenden, großen Fastnachtsfinale zu schulde oder doch etwa dem Corona-Virus, wie Moderator Paul Wucherpfennig beinahe vermutete, dass die Zuschauer in gewohnter Zahl ausblieben? Die Gäste in deutlich überschaubarer Zahl jedoch hatten ihren Spaß und genossen ein vielfältiges, teils wirklich eher ruhiges, anspruchsvolles Programm. Das macht sie seit 15 Jahren nun schon aus, die legendäre Kleinkunstbühne mit Musik und Unterhaltung, dass immer für jeden Geschmack etwas dabei ist, wissen viele Stammgäste nach wie vor zu schätzen. Durch die bewährte und beliebte bunte Mischung aus Comedy, Kabarett und viel Musik führt stets Paul Wucherpfennig, der fürs Programm in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturmanagement verantwortlich zeichnet.

Auf die Musik folgte der hessische Comedy-Part mit „Dande Rotraud“, welche in rasantem Tempo, ohne Punkt und Komma, auswendig und vor allem fehlerfrei – und ohne jegliche Bedenken – den gnadenlosen Rundumschlag startete, ein Training für die Lachmuskeln allemal. Wortspielerisch, ebenso „liebensgewürzig“ wie scharfzüngig betrachtete Susanne Betz als die „Dande“ ihr und anderer Leben.

Mit „Koppduch-Comedy“ schaute die Dande aus „katholisch Willeroth“ den Leuten aufs Maul, einfache Wahrheiten des Lebens gab es nett verpackt und mit einem kräftigen Schuss hessischen Dialekts gewürzt. Neben Haushalt, Ernährung oder Sport, Urlaub und Flugreisen ging es um An- und Entspannung, die Energie schafft, ob umweltfreundlich oder nicht. „De Alwin“ bekam Energieverbrennung verordnet, die Rotraud kümmerte sich um die Energieentladung – Wellness am Lebensabend, Entspannung als Abschlusstraining, den sterbenden Schwan bei Yoga und Meditation.

Knorrig wie Paolo Conte, rockig wie die Chili Peppers, melancholisch wie Lou Reed. Dies sind nur einige der musikalischen Quellen, die die Band „Silk and Steel“ inspirieren, die mit großer Individualität ans Interpretieren teils bekannter, teil eher selten gehörter bis eigener Songs ging. Und das quer durch die Musikgeschichte und alle Stilrichtungen. Die fünfköpfige Band lässt sich nicht einordnen, schon gar nicht kommt sie als typische Coverband daher. Dafür bedeutet den Odenwäldern ihre Eigenständigkeit zu viel, können sie im Rahmen ihrer Fähigkeiten ganz besondere, tief eindrückliche Interpretationen liefern. Inhalte sind wichtig. Um so voller Herzblut zu spielen, zu singen, sich musikalisch über Grenzen hinweg zu setzen, bedarf es gleich mehrerer Fähigkeiten, die sich nicht allein im Instrumentalen niederschlagen müssen. Eben nicht perfekt zu sein, können sich Silk and Steel durchaus leisten, bringen sie doch viel Gefühl und Authentizität mit. Da konnte Tom Waits im Odenwälder Tango daher kommen, „For no One“ der Beatles kaum wieder erkennbar in eigener, individueller Handschrift oder ein großartiges, unerwartetes „Baker Street“. Manch vergessene, nie entdeckte, neu aufbereitete Perlen galt es hier zu genießen.

Darunter gleich drei allerdings sehr unterschiedliche Titel der Red Hot Chili Peppers, das bewegende „Le temps de vivre“ von Georges Moustaki oder „Be my number two“ (Joe Jackson). Mit sehr viel Herz vor allem wurde hier Altes wieder neu mit Leben gefüllt.

Bildunterschriften:
Foto 1: Mit Weltmusik – Klängen verschiedener Länder, eingängigen Themen und fetzigen Swing-Rhythmen, Fiddelmelodien und Volkstänzen eröffnete das „Trio Julietta“ die jüngste Schlossrevue in der Stadthalle. Bild und Text: Dorothee Dorschel

Foto 2: Moderator Paul Wucherpfennig erläuterte Comedienne „Dante Rotraut“ wichtige Details zum Umstädter Wein, den er ihr zum Abschied auf der kleinen Schlossrevue-Bühne überreichte, wie traditionell allen Akteuren und Mitwirkenden der beliebten Kleinkunst-Veranstaltungsreihe. Bild und Text: Dorothee Dorschel
Foto 3: Außergewöhnlich waren Mischung und Stil der musikalischen Darbietung von „Silk and Steel“ aus Michelstadt, die für das Finale der Schlossrevue ein beeindruckend umfangreiches Programm mitgebracht hatten. Bild und Text: Dorothee Dorschel